Ich liebe Google Weather. Für heute haben sie den ganzen Tag lang stoisch Regen angekündigt, doch oh Wunder – es fiel kein einziger Tropfen. Jetzt, zwei Stunden vor Mitternacht, haben sie für Freitag völlig korrekt auf “bright sunshine” umgestellt. Danke für die Richtigstellung, Herr Hund und ich dachten schon, wir haben sie nicht alle.
Wenn Herr Hund im Balljagdmodus völlig übersieht, dass mitten im Weg eine übermässig umfangreiche Kollegenhinterlassenschaft plaziert wurde, dann steht er unabsichtlich schon mal bis zum Knie in der Scheisse. Kein Spass, das. Und auf den anhaltenden Würgereiz meinerseits, die den armen Stinker über die mit Teppich belegte Treppe ins Bad tragen musste, wobei er mir die betroffene Pfote keck ins Gesicht streckte, kann ich auch verzichten.
Seit 8am schweres Gerät in den Häusern rechts und links. Das ganze Schlafzimmer am Beben, über einen Durchbruch zu uns hätte ich mich kein bisschen gewundert – eigentlich habe ich es sogar erwartet – und Herr Hund wurde verrückt. Der Rest des Tages verlief dementsprechend ohrenbetäubend. Dabei ein Script zu überarbeiten ist Nervensache. Jetzt gerade ist für heute Schicht, rechts und links. Um 9pm. Ich wusste gar nicht mehr, wie richtiger Lärm geht.
werden sich einige der hiesigen Tankerfender (die mit den schweren Knochen oder dem Fett-Gen) gedacht haben, als sie von der neuen Abnehmpille “Alli” hörten. Ich gebe zu, selbst ich fand die Aussicht, 1/3 des aufgenommenen Fetts einfach so durch den Körper geschleust zu bekommen, durchaus verlockend. Längst vergessene M.c.Do.nal.ds.or.g.ien stiegen vor meinem geistigen Auge auf, dreiBratwürstehintereinanderweillecker-Szenarien der Vergangenheit, eineExtraportionPommesimPub-Genüsse, aus Vernunftsgründen längst gestrichen.
Aber natürlich ist es so einfach nicht. Erstmal bekommen diese Pillen nur jene, deren Body Mass Index irgendwo knapp unter 40 liegt und ausserdem – und hier können wir uns auf Einiges gefasst machen – löst das verheissungsvolle Pillchen spontanen und unkontrollierbaren Du.rchfall aus, sofern man sich nicht an einen sehr strengen und ausgeklügelten Diätplan hält.
Ein nachdenklicher Blick auf das Konsumverhalten und eine möglichst objektive Einschätzung des IQ’s potentieller Alli-Anwärter im Supermarkt meines Vertrauens verheisst nichts Gutes.
Ich schätze mal dass man sich nach der Einführung dieses Zaubermittels eine Weile sehr genau vergewissern sollte, wann und wo man sich irgendwo niederlässt. Ich denke da so an Bus und Bahn etc.
Pressluftgehämmere vom Feinsten. Den ganzen Tag lang. Die Häuser sind hier so klein, was kann man darin bitte so ausführlich und für Wochen pressluftbehämmern?! Ich bin wirklich kurz davor, nebenan mal einen mehr oder weniger dezenten Besuch abzustatten….
Bevor Herr Hund bei uns einzog, haben Herr S. und ich ein paar sehr klare Absprachen getroffen.
Unser Hund schläft nicht in unserem Bett. Er wird erst gefüttert, wenn wir gegessen haben – damit die Hierarchie gewahrt bleibt. Betteln ist nicht. Er darf zwar aufs Sofa, aber nur wenn wir da bereits sitzen und es ihm ausdrücklich erlauben. Alle anderen Sessel etc. sind tabu. Wäre ja noch schöner.
Nun, eine Weile hat Herr Hund tatsächlich nicht in unserem Bett genächtigt. Er war zu klein, um allein darauf zu springen. Aber eines Tages wachte ich auf und vernahm ein mir unbekanntes Grunzen direkt neben meinem Kopf. Es wäre rücksichtslos gewesen, dieses selig schlafende Fellknäuel brutal zu wecken und auf seinen Platz zu verweisen. Und weil er natürlich klug ist, hat Herr Hund einen Kompromiss eingeführt. Er schläft erst ein bisschen unten auf dem Sofa oder in seinem Körbchen und schleicht sich dann irgendwann später auf leisen Pfoten ins Bett. Zusammengerollt gibt er übrigens eine hervorragende Stütze für den Rücken.
Auf dem Sofa dürfen Herr S. und ich platznehmen, wann wir wollen und wenn wir Herrn Hund nerven, dann geht er eben auf einen seiner anderen Sessel. Zum Beispiel auf den vor dem Fenster, der dort steht, damit Herr Hund bequem die Strasse beobachten kann.
Er frisst sein Futter eigentlich immer nach uns. Weil er nämlich aufpassen muss, dass von unseren Tellern genug für ihn abfällt. Er liebt nunmal Fleisch, Fisch, Huhn und Salat – den aber bitte mit Zitrone angemacht, bloss nicht mit Essig. Unser Frühstücksei essen wir manchmal ganz schnell und heimlich auf, solange Herr Hund morgens den Garten inspiziert. Und dann kommt sofort das schlechte Gewissen hoch, wenn er so neben einem sitzt, die braunen Knopfaugen hoffnungsfroh nach oben gerichtet. Menschen können so gemein sein.
Seinen Hundesicherheitsgurt hasst er. So sehr, dass er sich jedesmal mit voller Absicht dramatisch darin verheddert, damit wir panisch anhalten, aus Angst, Herr Hund könne ersticken. Also kein Sicherheitsgurt. An diesem Problem arbeiten wir zur Zeit, denn Herr Hund findet, er müsse vorne zwischen uns auf der Ablage sitzen und dass ist einfach zu gefährlich. Also wird ein Gitter angeschafft werden müssen. Wie wir Herrn Hund das beibringen, wissen wir noch nicht.
Dass er sich gerne neben der Tastatur auf dem Herrn S’schen Schreibtisch niederlässt versteht sich von selbst. Von dort aus kann man nämlich nicht nur wunderbar in die Nachbargärten gucken, sondern von Zeit zu Zeit auch einen Blick auf den Monitor werfen, denn Herr Hund bleibt gerne stets auf dem Laufenden.
Hergeben würden wir Herrn Hund übrigens unter keinen Umständen – da sind wir ganz konsequent.
Der Supermarkt meines Vertrauens hat eine Grundrenovierung und moderate Veredelung erfahren. Das ist begrüssenswert, aber die Dauer einer Shoppingrunde hat sich für mich mindestens verdoppelt, weil sie auch noch das gesamte Sortiment umpositioniert haben.
Ich bin nunmal ein absolutes Orientierungswunder und kann, wenn Herr Hund mich nicht begleitet, mühelos bis zu fünf mal vor der falschen Haustür stehen, bis ich verinnerlicht habe, dass meine Freundin genau gegenüber wohnt. Allerdings möchte ich zu meiner Verteidigung sagen, dass beide Haustüren gleich grün sind und ich mir Hausnummern sowieso nicht merken kann.
Und nun das. Hühner wo früher Gemüse war, Wein im ehemaligen Backwarengang, Senf habe ich bisher noch nicht orten können, bin aber zum Glück zufällig auf den Reis gestossen. Und inmitten dieser ganzen Sachensucherei wollen einen freundliche Mitarbeiter dazu überreden, den Stromanbieter zu wechseln. An sowas kann ich wirklich erst in drei bis vier Wochen denken. Frühestens.
20 Jahre nachdem die Engländer anfingen, sämtliche ihrer nationalen Industriezweige meistbietend zu verhökern, sind sie jetzt erbost darüber, dass die neuen Besitzer selbst entscheiden, wen sie einstellen und wen nicht.
Die EU ist sowieso Scheisse, denn die erlaubt schliesslich jedem dahergelaufenen Europäer, hier zu arbeiten.
Und nun ist auch noch der Euro so verdammt teuer, dass man seine Fish & Chips in diesem Sommer vermutlich nicht in Benidorm einnehmen kann, sondern diesmal könnte es gezwungernermassen Butlins in Bognor Regis werden. Der Vorteil dort ist natürlich, dass man wohl kaum irgendeinem Scheiss-Europäer begegnet, der einem dreist die Arbeit stiehlt.
Trotzdem – harte Zeiten dies.
Hier liegt tatsächlich ein bisschen Schnee. So um die 10cm dürften es schon sein. Gestern Nacht haben Herr S., Herr Hund und ich noch um 1.30am einen wunderschönen Spaziergang gemacht. Es war ein bisschen wie in einem Wintermärchen.
Heute geht hier folglich gar nichts. Auf unserer Upper Street haben die meisten Läden zu, inklusive der Post, wie ich zu meinem Ärger feststellen musste. Autos fahren auch keine, aber immerhin traut sich das ein oder andere Taxi auf die Strasse und ab heute Nachmittag sogar ein paar Busse.
Der hiesige Transportminister sollte unbedingt eine Delegation z. B. nach Wien, Berlin oder Stockholm schicken. Die sollen sich mal angucken, wie man trotz 10cm Schnee zur Schule und zur Arbeit kommen kann.
So wie es aussieht, kann ich mein Paket jedenfalls erst abholen, wenn’s hier getaut hat.
Nachdem man uns letzten Sommer die Haustür eingetreten hat, war ich doch ein kleines bisschen nervös, als ich es jüngst des nächtens vor eben dieser verdächtig rascheln hörte. Todesmutig und mit klopfendem Herzen entschloss ich mich daher, einmal durch den Spion zu gucken.
Zu meiner Überraschung entdeckte ich nicht etwa 3 bis 7 volltrunkene Jugendliche in Kapuzenjacken, sondern 2 Männer in weissen forensic Overalls, die mit weissen Chirurgenhandschuhen akribisch unsere Mülltüten durchforsteten.
Empört riss ich die Tür auf und erkundigte mich nach dem Grund dieser ungewöhnlichen nächtlichen Aktion. Daraufhin klärte mich einer der weissgewandeten Herren auf, dies sei eine neue Massnahme unseres lokalen Councils. Man wolle überprüfen, ob wir unserer nunmehr gesetzlichen Verpflichtung zur ordnungsgemässen Mülltrennung auch geflissentlich nachkämen und nicht etwa heimlich nicht für die schwarzen Müllsäcke bestimmten Abfall in diese entsorgten. Letzteres könnte umgehend zu einer Geldstrafe von £ 1000 führen. Sprach’s und wühlte seelenruhig weiter in unserem Müll. Ach so – ich sollte das jetzt aber nicht persönlich nehmen.